Kinder und Schimpfwörter

Wer kennt es nicht? Klassischer Weise sagen Kinder meistens dann Schimpfwörter, wenn es nicht angebracht ist. Genau vor den Leuten, bei denen du möchtest, dass sie sich besonders ordentlich benehmen.

 

In meiner Kindheit waren Schimpfwörter ein absolutes Tabu! Bei uns zu Hause halt. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass negative Emotionen nicht der "Gesellschaft" entsprachen. Ein Kind hatte nicht zu sagen, dass es etwas nicht will oder mag oder vielleicht sogar etwas "blöd" findet. In meiner Pubertät hab ich dann alles nachgeholt.

 

Seinen Unmut in gewissem Maß Kund zu tun, empfinde ich sogar als sehr gesund! Kinder sollen auch mal fluchen dürfen, wenn ihnen etwas nicht so gelingt oder sie sich ärgern. Alles über der Gürtellinie und in gewissem Ausmaß sollte für die Erwachsenen auszuhalten sein. Meiner Meinung nach würde es auch sehr vielen Erwachsenen gut tun, ihre Gefühle zu äußern. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, dann sollte man seinen negativen Gefühlen Ausdruck verleihen dürfen! Ansonsten belügt man sich doch selber und frisst all den Mist in sich hinein und bekommt dann letzten Endes ein Magengeschwür. Was ist denn so schlimm daran, wenn man seine negativen Worte äußert? Nicht das du glaubst, dass bei uns zu Hause permanent wüstest geschimpft wird.

Ich nenn dir ein Beispiel:

Paul ist extrem ehrgeizig und dadurch passiert es öfter einmal, dass er sich in gewisse Dinge die nicht funktionieren so wie er es sich vorstellt, hineinsteigert. Das kann so weit gehen, dass er in Tränen ausbricht und schimpft. Dann nehme ich ihn in den Arm und tröste ihn, in dem ich ihm sage, dass ich es verstehen kann, dass er sich so ärgert. Wenn er sich beruhigt hat, ermutige ich ihn es noch einmal zu versuchen.

 

Solltest du ein Kind haben, dass dazu neigt hysterisch zu werden und um sich zu schlagen, halt es fest bevor es sich oder andere verletzt. Sag ihm, dass es okay ist sich aufzuregen, aber das es auch Grenzen gibt. Zeig ihm, wie es seine negative Energie loswerden kann, z.B. in dem es in einen Boxsack schlägt oder in einen Polster schreit. Wir sollten unseren Kindern beibringen, WIE sie mit ihren Gefühlen umgehen können.

Und sollte dein Kind, so wie meines, einmal mit einem Schimpfwort nach Hause kommen, bei dem es dir die Zehennägel aufrollt: Schluck mal, dann atme tief ein und dann wenn du dich unter Kontrolle hast, frag ganz ruhig ob es den wisse, was dieses Wort bedeute?! Falls es so sein sollte, dass es dein Kind nicht weiß, erkläre es ihm so gut es geht und sag ihm das es nicht angebracht ist (meistens ist es ihnen dann eh unangenehm, wenn sie wissen was es heißt) und sollte es die Bedeutung kennen und es trotzdem sagen: Frag es einfach: WIE würdest du dich fühlen, wenn das zu dir jemand sagen würde?

Und mach ihm unmissverständlich klar, dass du das nicht mehr hören willst!

  

Meine Grundsatzregel:

Niemals eine Person zu beleidigen sondern allenfalls ihr Verhalten zu kritisieren.

Konstruktiv und mit der Äußerung, was man sich statt dessen erwartet.

Ein kleines Beispiel: Du bemühst dich Tag um Tag, kochst deinen Lieben das köstlichste Essen und der Dank dafür ist, dass wenn du noch nicht mal gescheit fertig bist mit deinem Essen, alle aufspringen und dir Wort und Tatenlos den Rest der Arbeit auch noch übrig lassen. Und das nach einem anstrengenden Tag der dir den letzten Nerv gekostet hat. Dein Kopf schmerzt und eigentlich sehnst du dich nur mehr nach einer heißen Wanne und dem Bett.

Kein Danke, nicht der kleinste Wille der Hilfsbereitschaft.

 

Dein Gefühl?!? Du fühlst die Wut in dir aufsteigen, sie krabbelt dir bis in die Schultern, dein Mund verkrampft und innerlich bebst du. Nur ein kleines Fünkchen fehlt noch um die Granate zu entzünden. Aber du hast ja gelernt, dass du nichts zu sagen hast, dass deine Gefühle nicht wichtig sind. Also schluckst du und machst weiter.

Wenn du als Kind schon gelernt hättest, sagen zu dürfen, dass dir mal was nicht passt, hättest du so reagiert:

 

Meine liebe Familie, es macht mich echt stinksauer, dass ich genauso den ganzen Tag Arbeite, und für alle da bin und wenn ich euch ein köstliches Essen zubereite, ihr noch nicht mal fähig seit, DANKE zu sagen oder mir einfach nur zu helfen den Tisch abzuräumen! Es wäre echt schön, wenn ihr mir ein wenig mehr Wertschätzung entgegenbringen würdet, indem ihr mir helft.

 

Siehst du. Du hast keinen beleidigt, einfach nur deine Gefühle mitgeteilt. Niemand wurde verletzt und glaub mir, solche Worte berühren wesentlich mehr, als wenn du völlig außer dir herumschreist und andere womöglich noch fertig machst. Dann bist du automatisch der BUHMANN! Und glaub mir, auch wenn du deine Gefühle runterschluckst, deine Familie spürt sehr wohl deinen Unmut. Denn anstatt zufrieden zu sein, rennst du permanent mit dem Gedanken herum, dass du den andern nichts Wert seist und dich über sie ärgerst, und das schwingt in allem mit, was du tust und sagst.

 

 

Leitfaden um Konflikte zu lösen

 

Geh zu der Person die es betrifft und versuche einen ruhigen Augenblick für euer Gespräch zu wählen

 

Überleg dir schon vorher was du sagst und lasse deine Emotionen oberhalb der Gürtellinie

 

Äußere das Problem - Verwende keine Wörter wie IMMER oder NIE.

 

Kritisiere das VERHALTEN der Person und nicht die Person selbst

( z.B. Du machst mich traurig - Dein Verhalten macht mich traurig )

 

Erkläre dem Anderen wie DU dich dabei fühlst. ( Warum macht es dich traurig? ) Versuche es auch dem anderen zu erklären, wie es sich wohl für ihn anfühlen würde, wenn du dich ihm gegenüber so verhalten würdest.

 

Äußere deinen Wunsch mit einer Bitte ( z.B. Bitte unterlasse das in Zukunft. Das wäre für mir sehr wichtig! )

 

Abschließend solltest du ein paar Wertschätzende Worte dem anderen sagen, z.B. Danke, dass du mir zugehört hast. Du weißt, ich liebe Dich und ich bin dir auch sehr dankbar für ........ Wenn du Wertschätzung erfahren willst, solltest du auch deinen Lieben die dementsprechende Wertschätzung entgegenbringen.

Meistens ist es dem Gegenüber gar nicht bewusst, wie es dir geht und das dich gewisse Dinge kränken.

Das ist leider ein Frauenproblem, dass wir permanent meinen: Der andere müsste EH WISSEN wie es mir geht!

Dem ist meistens eben nicht so. Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass wenn man es nicht gewohnt ist seine Bedürfnisse zu äußern, es anfangs ziemlich schwierig ist. Ich verspreche dir aber, dass es mit jedem Mal wo du es versuchst, leichter wird.

Bis es für dich selbstverständlich ist.

Und wenn es dir wahnsinnig schwer fällt, denke immer daran:

Was ist das schlimmste, das dir passieren könnte, wenn du sagst was du willst?

ZB. Wenn du dir jetzt denkst: Dann redet derjenige nicht mehr mit mir. Tja, erstens gibt es schlimmeres und manchmal braucht das Gegenüber ein wenig Zeit, um zu registrieren, dass plötzlich etwas anders läuft als sonst und manchmal einfach eine Denkpause notwendig ist, um dein Gesagtes zu verarbeiten. Aber es wird an niemandem Spurlos vorbeigehen. Das ist sicher! Und wenn du es nicht versuchst, wirst du nie herausfinden, wie unglaublich leicht sich das anfühlt!

( PS: Das kannst du auch alles bei deinen Kindern anwenden! Du solltest jedoch versuchen ihnen es so verständlich wie möglich zu erklären. Wir unterschätzen unsere Kinder permanent, sie wissen ganz genau wie der Hase läuft! )

 

 

Du kannst nur dann VOLLKOMMEN GLÜCKLICH SEIN, wenn du, DU sein darfst. Und das mit all deinen Bedürfnissen!

 

Ich glaub an Dich, Trau dich, 

DU kannst es!!!

Aus ganzem Herzen, Marion

 

Ach ja, bei uns wird nicht nur gesund geschimpft, sondern wir sagen uns auch sehr oft, dass wir uns lieben, dass wir dankbar sind einander zu haben und das wir Stolz aufeinander sind. Es ist nämlich noch wichtiger positive Gefühle zu zeigen!

Vergessen wir das nicht...

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Vollzeitmama (Freitag, 16 Februar 2018 13:20)

    Tja, klingt alles logisch, aber leider kann ich die Explosion so schwer vermeiden! ...danke für den Beitrag, ich geh jetzt mal Zählen üben 1...2...3...

  • #2

    mum mit mumm (Freitag, 16 Februar 2018 13:42)

    Ich kenne das nur all zu gut und oft komme ich mir wie eine Heuchlerin vor, weil ich mir sehr oft genauso schwer damit tue, genau dass zu tun, was ich selbst schreibe!
    Wir sind halt alle nur Menschen und scheitern auch oft bei dem Versuch unser Bestes zu geben.
    Aber der Versuch ist es Wert und vielleicht schaffst du es beim nächsten mal erst bei 20 statt bei 15 zu explodieren ;o). Auch die kleinen Erfolge zählen! Und der erste Schritt ist es ja, sich die Dinge bewusst zu machen. Und das hast du ja schon geschafft! Alles Liebe, Marion

  • #3

    mum mit mumm (Freitag, 16 Februar 2018 14:00)

    Liebe Vollzeitmama!
    Muss schmunzeln, bin gerade zufällig auf den Artikel gestoßen: Erziehen ohne auszurasten
    Kann ich dir von ganzem Herzen empfehlen!
    https://www.meinefamilie.at/erziehung/elternsein/erziehen-ohne-auszurasten/
    Schicke dir viel Gelassenheit, alles liebe, Marion