Eine WAHRE Geschichte aus meinem Leben

 

Vor kurzem hatte ich mich für einen Weiterbildungskurs, meiner Landwirtschaft angemeldet.

Wie es halt so oft ist, wurde meine Kleine mit 9 Monaten genau die Nacht davor krank. Sie bekam hohes Fieber und da sie zu dieser Zeit sehr an mir gehangen ist, wollte sie klarer Weise nur bei mir sein. Deshalb entschloss ich, für mich selbstverständlicher Weise, den Kurs abzusagen um bei ihr sein zu können. In der Früh hab ich sofort bei dem Institut angerufen und meine Sachlage erklärt. Die nette Dame am Telefon meinte, ich solle mir eine Bestätigung vom Arzt holen, dann bekäme ich "vielleicht" den Kursbeitrag erlassen. Gesagt getan, für mich absolut verständlich, dass eine Firma eine Krankmeldung braucht. Diese Pflegebestätigung hatte ich dann sofort mit der Bitte um Erlass der Kurskosten per Mail weitergeleitet. Kurze Zeit später erhielt ich einen Anruf von der gleichen freundlichen jungen Frau, die mir sagte: Es tut mir leid für Sie, jedoch hat die Geschäftsleitung beschlossen, dass der ganze Kursbeitrag zu bezahlen ist!

 

Daraufhin stieg mir die Wut der Ungerechtigkeit hoch, und mein einziger Gedanke war:

Wie oft habe ich es schon erlebt, dass ich mich RECHTFERTIGEN musste,

weil meine Kinder krank sind?! Nicht mehr mit mir!

 

Mail an die Geschäftsleitung:

 

Heute Vormittag hat mich eine freundliche Dame informiert, dass ich trotz Pflegebestätigung, die Kosten des Kurses den ich nicht wahrnehmen konnte, VOLLSTÄNDIG bezahlen muss. Ich verstehe, dass sie Regeln für Stornokosten haben, jedoch weiß ich auch das es für jede Regel eine Ausnahme gibt. Und es ist sehr frustrierend dafür bestraft zu werden, dass ich meine Verantwortung als Mama erst nehme und für meine 9 Monate kranke Tochter da bin. Es ist ja nicht so, dass ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen hab lassen.

So viel zum Sozialstaat. Mir geht es nicht um die € 50,-, mir geht es um die Tatsache, dass für Mütter kein Verständnis aufgebracht wird!

Eigentlich sollte man sich als Mutter erwarten dürfen, dass man dafür Zuspruch bekommt, wenn für einen die Kinder an erster Stelle stehen. Wir Mama's versuchen Job, Haushalt und Kinder unter einen Hut zu bringen. Meines Erachtens schon eine außergewöhnliche Leistung, deswegen ist es umso ärgerlicher, dass uns so wenig Verständnis entgegengebracht wird!

Ich würde mir wirklich wünschen, dass sich ihre Wahrnehmung in dieser Hinsicht ändert.
Falls sie Familie und Kinder haben, versuchen sie sich mal in meine Lage zu versetzten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch sie verärgert wären.

Es wäre schön, wenn Mütter mehr Unterstützung bekämen,

wenn sie schon versuchen ihr Bestes zu geben.

Mit hoffnungsvollen Grüßen, Marion Hochsteiner

 

Antwort:

Sehr geehrte Frau Hochsteiner!

Gerne nehme ich Stellung zu Ihrer Mail und darf Ihnen darlegen, warum ich diese Entscheidung getroffen habe.

Als Familienvater – nämlich auch als solcher, der seine Rolle als Vater bewusst lebt – kann ich Ihre Situation sehr gut verstehen und weiß um die Wichtigkeit, dass Kinder – vor allem auch dann, wenn sie krank sind – die Nähe und Obsorge Ihrer Eltern bedürfen. Hier kann ich Ihre Lage sehr gut verstehen.

Ich hoffe aber auch, dass sie meine Situation verstehen, dass es im Sinne einer seriösen und professionellen Kursabwicklung Stornobedingungen gibt, die einzuhalten sind. Kulanz kann unter Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nur dann gewährt werden, wenn ein Krankheitsfall in der Person des Angemeldeten eintritt. Jegliche andere Verhinderungsgründe, die darüber hinaus eintreffen  - ob dies nun ein Krankheitsfall von Kindern, Pflege von älteren Personen, aber auch Gründe rund um Haus und Hof sind – , können aber nicht als Kulanzgrund geltend gemacht werde, da es unzählige gute und berechtigte Gründe gibt, die im Anlassfall vorgebracht werden. Damit bräuchte ich keine Stornoregelung mehr. Vor allem kann ich unmöglich die Gesamtsituation des Angemeldeten abschätzen, um seriös beurteilen zu können, ob ein Nichterscheinen tatsächlich unumgänglich gewesen ist. In Ihrem konkreten Fall müsste ich hinterfragen, ob in der Zeit Ihrer Abwesenheit nicht auch der Vater oder sonstige nahe Angehörige die Obsorge für Ihre Tochter übernehmen hätten können. Das steht mir aber grundsätzlich nicht zu und führt auch zu weit. Wo wäre die Grenze?

 

Um Ihnen trotzdem mein Verständnis für Ihre Situation zu zeigen, bin ich gerne bereit, Ihnen 50 % Ihrer Stornokosten zu erlassen. Vor allem aber hoffe ich, Ihnen plausibel dargestellt zu haben, dass wir trotz vielfacher Auszeichnungen als „frauen- und familienfreundlicher Betrieb“ gewisse Geschäftsabläufe einhalten müssen, wenn sie auch auf den ersten Blick als unsozial gesehen werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

################

 

 

Ich musste mir die Mail des Öfteren Durchlesen um zu verstehen,

warum ich damit nicht einverstanden war.

Als ich für mich beschloss, NEIN!, damit gebe ich mich nicht Zufrieden, meine Antwort:

 

Sehr geehrter Herr ######!

Ich danke ihnen für ihre rasche Antwort.
Selbstverständlich wäre die Person zur Betreuung zur Verfügung gestanden, ansonsten hätte ich ja an dem Kurs nicht teilnehmen können. Da die beste Betreuung eines kranken Kindes jedoch die Person ist, bei der es sich am wohlsten fühlt, kommt es für mich nicht in Frage, es in andere Hände zu geben. In diesem Fall sind wir ja einer Meinung. Aus dem Grund bin ich zum Arzt, der bestätigte, dass es das beste sei meine Tochter selbst zu betreuen. Wenn das nicht als Grund genug ist, weiß ich keinen anderen. Die Betreuung eines kranken Kindes mit der Pflege von älteren Personen und Gründe um Haus und Hof gleichzustellen, ist für mich auch sehr fragwürdig. Wissen sie, in den Betrieben auf denen: frauen- und familienfreundlich draufsteht, ist es nicht automatisch so, dass es auch drin ist. Ihre Antwort scheint mir sehr pragmatisch zu sein. Ich würde mir wünschen, dass Kinder in unserer Gesellschaft an die erste Stelle kommen. Und das es als SELBSTVERSTÄNDLICH gilt, dass eine Mutter bei ihrem kranken Kind sein darf, ohne es rechtfertigen zu müssen. Ich finde es sehr schön, dass sie sich als Vater bezeichnen der seine Rolle bewusst wahrnimmt. Deswegen sollten sie sich fragen was vorgeht: Die Geschäftsabläufe einer Firma oder die Gesundheit unserer Kinder? Es tut mir wirklich leid, dass sie im Moment derjenige sind, bei dem mein Fass übergeht, jedoch habe ich beschlossen, nicht mehr zu allem ja und amen zu sagen und mich auch nicht mehr mit allem zufrieden zu geben. Ich wünsch mir eine Gesellschaft in der wieder der Mensch an erster Stelle steht. Für unsere Kinder.

Ich wünsche ihnen trotz allem noch einen schönen Tag!
Mit freundlichen Grüßen
Hochsteiner Marion

Ich habe bis heute keine Antwort, aber auch noch keine Rechnung erhalten.

Mit diesem Beispiel möchte ich dir sagen, wenn wir wollen, dass sich das Verständnis für Mütter ändert, müssen WIR MÜTTER dafür sorgen und für UNS und UNSERE KINDER einstehen.

 

TRAU DICH!

 

Lass dich nicht mehr Abfertigen und dir ein schlechtes Gewissen machen.

Kinder stehen IMMER an ERSTER STELLE!

 

Alles Liebe, Marion

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Vollzeitmama (Donnerstag, 12 April 2018 05:48)

    Super wie du dich nicht hast klein kriegen lassen...viele, inklusive mir, hätten schon viel früher aufgegeben. Und Kurse gibt es immer wieder, die Kindheit kommt nicht mehr zurück! LG

  • #2

    mum mit mumm (Donnerstag, 12 April 2018 08:25)

    Danke für deinen Kommentar, Vollzeitmama!
    Ich möchte allen Mut machen, auch mal aufzustehen und NEIN zu sagen.
    Bei uns ist ein Nein leider immer noch sehr negativ abgestempelt. Im Endeffekt ist es aber nichts anderes als ein abstecken einer Grenze. Dadurch mache ich mich nicht zum Opfer und den anderen nicht zum Täter. Also eine äußerst positive Sache. Danke dir und noch einen wundervollen Tag mit vielen Gänsehautglücklichen Momenten!
    Alles liebe, Marion