Wie Mirabelle lernte sich selbst zu lieben...

 

Ich möchte dir jemanden vorstellen:

 

Mirabelle

 

ein Eichhornmädchen, quirlig und so neugierig darauf seine Welt zu entdecken.

Sie lebte mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester in einem riesigem Baum. Ihre Eltern wollten ein Zuhause für die ganze Familie erschaffen in dem sich jeder wohlfühlte. Für Mirabelle war es das Paradies. Es gab so viel zu entdecken und zu erkunden. In den Sommerferien war sie auch sehr oft bei ihren Großeltern, da ihre Eltern arbeiten mussten. Sie sammelten Beeren, damit die ganze Familie versorgt war. Das war der Vorrat für den Winter. Mirabelle war so ein offenes und fröhliches Mädchen mit unglaublich viel Sonne im Herzen. Oft sang und pfeifte sie vor sich hin. Das Leben war für sie wie eine Zauberwelt. Sie liebte die Natur. Sie liebte es aus Löwenzahn oder Gänseblümchen Haarschmuck zu flechten und sich damit hübsch zu machen. Ihr Leben erschien ihr Zeit und Sorgenlos. Alles was sie tat, tat sie mit vollem Herzen.

 

Sie kann sich noch so gut daran erinnern, wie sie mit ihrer Schwester und ihren Freunden die Welt erkundete. Ihr war kein Baum zu hoch und am allerliebste war ihr es so viel zu erleben, dass sie komplett schmutzig nach Hause kam. Sie war am allerliebsten von Früh bis Spät draußen mit ihren Freunden unterwegs. Gemeinsam spielten sie, bis die Sonne unterging. Jeden Tag wartete ein Abenteuer auf die Bande. Mirabelle stellte sich gern ihrere Angst. Sie war so mutig. Sie sprang von Höhen wo sich andere nicht trauten. Sie probierte Sachen aus, auch mit der Gefahr das es schief laufen konnte.

 

 

 

Doch es kamen Erfahrungen auf sie zu, die sie sehr veränderten.

 

Eines Tages versuchte sie einen Ast zu erreichen, der wirklich weit weg war. Ihre Mutter hatte schon immer geschimpft und sie davor gewarnt, dass ihr was passieren würde. Aber wer Mirabelle kennt, weiß, das sie es selbst erfahren musste. Und so nahm sie Anlauf und sprang. Und wie vorhergesagt, fiel sie. Sie verletzte sich. Jedoch niemand ist hinter ihr gestanden und sagte, wow du bist mutig. Nein, sie hat Schimpfer abbekommen und belächelt. Plötzlich war da ein Gefühl das sie vorher noch nicht kannte. Sie konnte es auch nicht benennen. Heute weiß sie, es war Scham. Heute weiß sie jedoch auch, dass es nichts gab vor dem sie sich damals schämen musste, ganz im Gegenteil. Sie war MUTIG.

 

Als sie 8 Jahre war, bekam sie noch eine kleine Schwester. Zuerst war sie Feuer und Flamme für sie. 

Ihr Name war Sophie. Mirabelle liebte es mit ihr zu spielen und mit ihr Zeit zu verbringen. Zu dieser Zeit ging es der Mama der beiden Mädchen gar nicht gut. Mirabelle spürte es, jedoch wusste sie nicht was genau los war. Sie merkte, dass die Stimmung zu Hause immer drüber wurde, bis auch ihr Vater schwer krank wurde.

 

Es fühlte sich für sie an wie eine große Last. Deswegen beschloss sie, niemandem zur Last zu fallen.

Sie kümmerte sich weiterhin um ihre kleine Schwester, jedoch wurde sie größer und anspruchsvoller.

Wenn etwas schief lief, war Mirabelle diejenige, die zur Verantwortung gezogen wurde, so war zumindest ihr Gefühl.

 

Mirabelle wurde älter und die Situation zu Hause nicht leichter.

Plötzlich wurde sie mit Dingen konfrontiert, mit denen sie absolut nicht umzugehen wusste.

 

Gefühle

 

Nicht die Gefühle die sie bisher kannte. Nein es war eine so tiefe Einsamkeit in ihr. Sie hatte das Gefühl einer Traurigkeit, die sie zuvor noch nie erlebt hatte.

 

Sie konnte sich zwar noch daran erinnern, wie es war als ihre Tante starb, auch da verspürte sie eine tiefe Trauer, jedoch dieses Mal war das ein Gefühl, das sie nicht einordnen konnte.

Sie fühlte sich hilflos und sie hatte niemanden, dem sie dies anvertraute.

Ihre Eltern wussten nicht was mit ihr los war. Da es den beiden selbst nicht sonderlich gut ging, hatten sie auch keine Kraft, Mirabelle zu helfen. Und das Mirabelle wusste, dass es ihren Eltern nicht gut ging, wollte sie ihnen wiederum nicht zu Last fallen. Es war ein Teufelskreis. 

 

Aus dem quirligen Sonnenschein wurde ein Mädchen, dass sich in sich zurückzog. In ihre Traurigkeit und Einsamkeit.

Als sie so ca. 13 war. verliebte sie sich in einen Jungen. Plötzlich war ihre Einsamkeit und ihre Traurigkeit in den Hintergrund gerückt. Es war nur mehr ein Geräusch unter vielen. Sie liebte es die Liebe zu entdecken.

Da sie mit niemandem je darüber gesprochen hatte, außer mit ihren gleichaltrigen Freundinnen bzw. das was sie aus den Heftchen für Jugendliche las, hatte sie ja überhaupt keine Ahnung, wie das alles so läuft. 

 

Mit dem Drang Erwachsen zu werden, wollte sie klarer Weise auch die Dinge tun die Erwachsenen tun.

Sie hatte plötzlich einen älteren Freundeskreis und dadurch auch Zugang zu vielen Dingen die auch die Erwachsenen tun.

Mirabelle fing an sich auszuprobieren. Zigaretten und Alkohol wurden normal, da es ja auch die Erwachsenen so machten. Zusätzlich musste sie sich eingestehen, dass sie sich mit einer Zigarette im Mund gleich viel Erwachsener, viel größer und stärker fühlte. Der Alkohol gab ihr in einer Weise ein gewissen Gefühl von Macht und zugleich von Ohnmacht. Denn wenn sie betrunken war, musste sie all die beschissenen Gefühle nicht fühlen. Sie konnte sich betäuben. 

 

Der erste Sex ließ auch nicht lange warten. Auf einer Party, mit Freunden.

Mirabelle war sehr betrunken. Denn, ehrlich gesagt, hätte sie sich das sonst nie getraut.

Im Grunde genommen, wusste sie nichts darüber.

Sie wusste nur, dass die Erwachsenen das so machen.

Und sie wollte nichts sehnlicher als Erwach (s) en - zu sein.

 

Sie fühlte sich danach jedoch kein Stück Erwachsener.

Sie fühlte sich einfach noch leerer.

Es war betäubend. Sie wollte sich spüren und wusste nicht wie.

 

Mirabelle fing an Abführmittel zu nehmen.

Sie dachte, vielleicht fühle sie sich besser, wenn sie weniger wiege.

Da sie Freundinnen hatte, die mitmachten, bekam das alles gleich eine ganz andere Wirkung.

Irgendwie hat es sie zusammengeschweißt. Sie hatten ein Geheimnis.

 

Mirabelles Eltern ahnten davon nichts, da sie ja sehr wenig zu Hause war und sie sich auf irgendeine Art und Weise hilflos fühlten. Sie spürten zwar, dass etwas nicht passte, jedoch wussten sie nicht was sie tun sollten. Auch sie fühlten sich Ohnmächtig. Ihre Mutter hatte von Mirabelle mal ein Abführmittel gefunden, da hatte sie sie zur Rede gestellt. 

Mirabelle sagte es sein für ein Referat, da sie ja niemandem zur Last fallen wollte.

Das hatte ihre Mutter so hingenommen, weil sie es wiederum nicht besser wusste.

 

Es war für Mirabelle eine schwere Zeit. Sie flüchtete sich oft in die Musik.

Sie liebte es zu singen und Musik zu machen.

Doch damals hatte ihr ein Arzt gesagt, weil sie so oft heiser war, sie solle nicht so viel schreien.

Das hatte sich so in ihren Kopf eingebrannt, dass sie aufhörte zu singen, und wenn sie sang, dann nur mehr für sich. Im Schulchor war sie sonst so gerne, doch hatte sie aufgehört an ihre Stimme zu glauben.

Sie wollte ja niemandem Schmerzen zufügen, mit ihrem Gesang.

Auch mit den Musikinstrumenten war es ähnlich.

Mirabelle wollte damals so gerne ein Musikinstrument lernen. Am liebsten hätte sie alle auf einmal gelernt!

Jedoch sagte man ihr, dass sie mit der Flöte beginnen müsse. Das machte sie dann auch. 

Nach einer Zeit durfte sie dann ans Klavier.

Die Thematik war nur diese. Mirabelle konnte nie Noten lesen. Sie hatte alles was sie spielte durch zuhören, nachgespielt.

Und als es ans Klavier ging, waren die Melodien einfach vielfältiger und die Erwachsenen rundherum überzeugt davon, dass man nur mit Noten spielen konnte. Dadurch hatte sie auch die Freude an den Musikinstrumenten verloren.

 

Das Problem war einfach. Sie konnte die Noten nicht verstehen. Denn sie FÜHLTE Musik. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass man Musik von irgendeinem Blatt lesen konnte.

Für sie kam die Musik aus ihrem Herzen.

 

Da sie jedoch gelernt hatte, dass Erwachsene das besser wissen, schlief auch die liebe zu den Musikinstrumenten ein.

 

So verkümmerte ihr kleines Herz.

 

Sie war nicht mehr so verrückt wie früher, so lebendig und voller Freude.

Mirabelle fragte sich wirklich, was das Leben so für einen Sinn hat.

Sie wollte so nicht weiterleben, es war einfach furchtbar, in dieser Einsamkeit.

Sie spürte ihr Herz nicht mehr schlagen, für nichts und niemanden. 

Sie hatte auch das Gefühl ihren Eltern nur mehr eine Last zu sein. Denn die einzigen Gespräche die sie führten, endeten oft in einem Streit. Sie hatte das Gefühl, dass es keinen Menschen auf dieser Welt gibt, der sie verstehen kann.

 

Vor lauter Schmerz fing sie an sich eines Tages die Haut aufzuritzen. Sie wollte sich spüren. um jeden Preis.

Dieser tiefe Schmerz quälte sie so sehr, dass sie sich eines Tages auf dem Dach eines Hauses sitzen sah und überlegte zu springen. Sie dachte daran, was wohl sein würde, wenn sie springt. Sie sah sich auf dem Boden liegen. In einer Lache aus Blut. Dann dachte sie daran, was wohl ihre Eltern denken würden. Wären sie froh? Das Mirabelle ihnen nicht mehr zur Last fallen würde. Vielleicht war ja sie das Problem, dass es ihren Eltern so schlecht geht.

 

Dieser Schmerz war so groß, dass sie so bitterlich weinen musste. Sie weinte und weinte, als ob es kein Morgen gäbe.

Dann schrieb sie dieses Gedicht:

 

Ein Selbstmord wie schön,

dann müsste ich all die Probleme nicht mehr verstehen.

Ein Schritt bis zur Ewigkeit oder noch eine lange qualvolle Zeit.

Soll ich die Zeit jetzt beenden, dann pack ich die Füße mit beiden Händen.

Doch da hab ich was vergessen und das bist du.

Wie war ich vermessen, i love you!

Um es anders zu sagen, das möcht ich noch wagen.

Du warst immer da für mich und deswegen ein großes Ich liebe dich.

Für die guten und schlechten Zeiten, ich werde sie immer in meinem Herzen behalten.

Und ich bitte dich, vergiss mich nicht.

Doch nun auf nimmer Wiedersehen du schöne Welt. obwohl es mir nicht leicht fällt.

 

Als sie diese Zeilen schrieb, ging es ihr plötzlich besser.

 

Es fühlte sich warm an, wohlig und vertraut.

So als hätte sie jemand in den Arm genommen.

 

Sie hatte allen Schmerz losgelassen...

 

Ab diesem Moment beschloss sie ein Tagebuch zu führen.

 

Sie fing an ihre Gedanken aufzuschreiben.

 

 

 

 

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