Abschied nehmen...

 

 

Es war eigentlich der perfekteste Tag meines Lebens.

 

Ich war mit meinem wundervollen Mann und meinen wundervollen Kindern an einem der zauberhaftesten Orte der Welt. Die Sonne schien, als ob es etwas zu gewinnen gäbe, das Meer rauschte, die sanfteste Melodie. 

Es war einer der Momente. in dem die Zeit still steht.

 

Es war ein perfekter Moment.

 

Und trotzdem überkam mich ein Gefühl der Angst.

 

Ich tat, was ich gelernt hatte zu tun.

Ich hab darüber geschrieben.

Angst ist nur eine Wolke in unserem Kopf.

Sie existiert nur durch unseren Verstand.

Setzte dich mit ihr auseinander und du wirst sehen, es fühlt sich anders an.

Setzte dich mit ihr auseinander, so lange bis sie nicht mehr existiert.

 

Ich stand unter der Dusche mit meinem Sohn.

Ich kann mich nur mehr wage erinnern. 

Vielleicht, weil es einfach noch immer zu schmerzhaft für mich ist.

 

Das Handy von meinem Mann läutete.

Ich hörte ihn sehr entrüstet, ungläubig was ihm da erzählt wird, reden.

 

Plötzlich, ein lauter Knall.

 

Es war die Hand meines Mannes, die mit voller Wucht gegen die Wand donnerte.

Es fuhr ein Gefühl des Schreckens durch meinen ganzen Körper.

Selbst, wenn man blind und taub gewesen wäre, hätte man in diesem Moment gespürt,

dass etwas furchtbares passiert sein musste.

 

Mittlerweile hatte ich mich abgetrocknet und ging wie ferngesteuert ins Wohnzimmer,

wo ich meinen Mann vorfand, kreidebleich, als ob er einen Geist gesehen hätte.

 

Ich hatte nur Wortfetzen von diesem Gespräch mitbekommen.

Ich kann nicht sagen, ob ich es nicht hören wollte oder nicht konnte.

 

Im Gesicht meines Mannes konnte ich den Ausdruck absoluter Verzweiflung erkennen.

 

Noch nie hatte ich ihn so erlebt.

Es war, als wüsste er nicht, wie ihm geschehen war.

Ich spürte, dass ihm die nächsten Worte, die schwersten Worte waren,

die er jemals über die Lippen bringen musste.

 

Ich versuche mich daran zu erinnern.

Jedoch ist es noch immer wie ein Nebel in meinem Kopf.

ANGST - das gesagte, wirklich und wahrhaftig zuZUlassen und anZUnehmen.

 

Dein PAPA ist gestorben.

 

Vier Worte, die wie ein Blitz durch mich gefahren sind.

Vier Worte, vor die ich mich am meisten gefürchtet hatte.

Vier Worte, vor denen ich am meisten Angst hatte.

 

Sie dringen in mein Ohr und fluten mein System.

Es ist, als ob ich das gesagte nicht verstehen kann.

 

Ich höre die Worte, jedoch kann ich sie nicht fassen.

 

Es ist, als ob hier jemand einen verdammt schlechten Scherz gemacht hätte.

 

Mein Mann will mich umarmen und ich stoße ihn weg, mit den Worten:

 

DAS KANN NICHT SEIN. Das muss ein Missverständnis sein.

 

Ich wollte keine Umarmung, da es für mich keinen Grund für eine Umarmung gab.

Mein Papa konnte nicht tot sein. Das war in meiner Vorstellung einfach nicht möglich.

 

 

 

 

 

 

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